E-Motorrad: Modelle, Kosten und THG-Prämie im Überblick

Ein E-Motorrad fährt leise, beschleunigt kräftig und verursacht im Alltag geringere Unterhaltskosten als ein Verbrenner. Für 2026 können Halter:innen von E-Motorrädern der Klassen L3e-A2 und L3e-A3 zudem eine THG-Prämie auf Pkw-Niveau erhalten. 125er-Modelle der Klasse L3e-A1 sind dagegen nicht berechtigt.

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In diesem Artikel:

E-Motorrad: Ein Markt im Aufbruch

Das E-Motorrad bleibt 2026 noch ein Nischenthema, gewinnt aber an Fahrt. Laut Industrie-Verband Motorrad (IVM) wurden 2025 rund 2.400 E-Motorräder neu zugelassen, fast doppelt so viele wie im Vorjahr mit 1.208 Fahrzeugen. Ein großer Teil des Zuwachses geht auf die Elektro-Enduro Stark Varg EX zurück, die mit rund 1.084 Neuzulassungen das meistverkaufte E-Motorrad des Jahres war.

Das Angebot wächst trotzdem. Mit der Honda WN7, dem Can-Am Origin und der LiveWire S2 Del Mar sind zuletzt Modelle etablierter Marken hinzugekommen. Wie schnell sich die Branche verändern kann, zeigt Energica: Der italienische Hersteller meldete im Oktober 2024 Insolvenz an und wurde 2025 von einem Investor aus Singapur übernommen. Vor dem Kauf lohnt sich daher ein Blick auf Händlernetz, Garantie und Ersatzteilversorgung.

Vorteile eines E-Motorrads im Alltag

Ein E-Motorrad überzeugt vor allem im Stadtverkehr, auf dem Arbeitsweg und im Umland.

  • Kräftiges Drehmoment: Der Elektromotor liefert sein Drehmoment sofort, Schalten und Kuppeln entfallen.
  • Niedrige Unterhaltskosten: Ölwechsel, Kupplung und Auspuffanlage gibt es nicht, der Wartungsaufwand fällt geringer aus.
  • Steuervorteil: Reine Elektrofahrzeuge sind nach § 3d KraftStG bis zu zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit, nach aktuellem Stand bei Erstzulassung bis Ende 2030 und längstens bis 2035. Den größten Vorteil haben Maschinen der Klassen L3e-A2 und L3e-A3. Leichtkrafträder bis 11 kW (L3e-A1) zahlen in Deutschland ohnehin keine Kfz-Steuer, auch nicht als Verbrenner. Mehr dazu im Beitrag zu den Steuervorteilen für E-Fahrzeuge.
  • Energierückgewinnung: Beim Bremsen und Rollen fließt Energie zurück in den Akku. Wie Rekuperation funktioniert, lässt sich gut nachlesen.
  • Laden zu Hause: Über Nacht an einer Wallbox zu laden ist bequem und meist günstiger als Tanken. 
  • THG-Prämie: Berechtigte Fahrzeuge erhalten einmal jährlich eine Prämie für ihre CO₂-Einsparung.

Reichweite und Laden: Wie alltagstauglich ist ein E-Motorrad?

Die Akkus eines E-Motorrads sind deutlich kleiner als die eines E‑Autos. Typisch sind 8 bis 20 kWh, weil die Batterie zwischen Lenkkopf und Schwinge Platz finden muss. Kompakte City-Modelle schaffen 70 bis 100 Kilometer, größere Maschinen geben im Stadtverkehr bis zu 400 Kilometer an. Bei Autobahntempo schrumpft die Reichweite jedoch deutlich, teilweise auf 100 bis 150 Kilometer. Herstellerangaben nach Stadtzyklus oder WMTC sind deshalb nur bedingt mit dem Alltag vergleichbar, und im Winter sinkt die Reichweite zusätzlich, wie unser Beitrag zur Reichweite im Winter zeigt.

Beim Laden hat sich viel getan. An der Haushaltssteckdose dauert eine Vollladung je nach Akkugröße etwa 4 bis 9 Stunden. An Schnellladern sind für 20 auf 80 Prozent bei vielen Modellen rund 30 bis 80 Minuten realistisch. Die Honda WN7 bringt den Schnellladeanschluss nach CCS2 serienmäßig mit, was CCS-Laden bedeutet, erklärt unser Glossar.

Tipp: Planen Sie längere Strecken mit Ladepausen und prüfen Sie vor dem Kauf, ob Ihr Wunschmodell an öffentlichen Ladepunkten laden kann. Welche Ladekarte sich dafür eignet, hängt von Ihren Strecken ab.

Führerschein: Welche Klasse brauchen Sie für ein E-Motorrad?

Bei E-Motorrädern zählt nicht der Hubraum, sondern die Nenndauerleistung des Motors. Diese Übersicht zeigt die gängigen Klassen:

Führerscheinklasse Mindestalter Erlaubte Motorleistung
AM 15 Jahre Roller und Mofas bis 45 km/h
A1 16 Jahre bis 11 kW (125er-Klasse)
A2 18 Jahre bis 35 kW
A 24 Jahre (Direkteinstieg) oder 20 Jahre nach zwei Jahren mit A2 keine Leistungsbegrenzung
B196 25 Jahre und seit mindestens fünf Jahren Klasse B bis 11 kW

Besonders interessant für Umsteiger:innen ist die Schlüsselzahl 196. Wer seit mindestens fünf Jahren den Pkw-Führerschein besitzt und 25 Jahre alt ist, kann nach einer Schulung ohne Prüfung auch leistungsreduzierte E-Leichtkrafträder bis 11 kW fahren. Vorgeschrieben sind mindestens vier Doppelstunden Theorie und fünf Doppelstunden Praxis.

Hinweis: Die Schlüsselzahl 196 gilt nur in Deutschland. Für Fahrten im Ausland, etwa nach Österreich oder Italien, ist sie nicht gültig. Zwischen der Schulungsbescheinigung und der Eintragung im Führerschein dürfen höchstens ein Jahr liegen, danach verfällt der Nachweis.

Beliebte E-Motorräder 2026 im Vergleich

Die folgende Auswahl zeigt, wie breit das Angebot inzwischen ist:

Modell Leistung Akku Reichweite (Herstellerangabe) Preis ab
BMW CE 04 (E-Großroller) 15 kW, auf 11 kW drosselbar 8,9 kWh ca. 130 km 12.950 €
Honda WN7 18 kW (A2) oder 11 kW (A1/B196) 9,3 kWh 140 km (A2, WMTC) 15.409 € (inkl. Überführung)
LiveWire S2 Del Mar 30 kW 10,5 kWh bis 181 km (Stadt) 18.490 €
Can-Am Origin 20 kW, auch als 11-kW-Version 8,9 kWh ca. 115 km (kombiniert) 13.499 €
Zero SR/F 35 kW 15,1 kWh ca. 188 km (kombiniert) ca. 20.000 €

Hinweis: Alle Angaben beruhen auf Herstellerangaben und dem Stand Mitte 2026, Preise sind unverbindliche Preisempfehlungen, Aktionen sind möglich. Der BMW CE 04 ist technisch ein E-Großroller und kein klassisches Motorrad, passt aber in die Leistungsklassen A1 und A2. Bei Modellen mit zwei Leistungsvarianten entscheidet für die THG-Prämie die eingetragene Klasse, bei einem Eintrag nur mit L3e zusammen mit der Leistung in Feld P.2. Die 11-kW-Variante zählt zur nicht berechtigten Klasse L3e-A1.

Für wen lohnt sich ein E-Motorrad?

Besonders sinnvoll ist ein E-Motorrad für Pendler:innen mit Strecken von 20 bis 60 Kilometern pro Tag und für Stadtbewohner:innen mit Lademöglichkeit am Wohnort. Ohne eigene Steckdose oder Wallbox wird der Alltag schnell umständlich. Wie sich Ladepunkte zu Hause und unterwegs kombinieren lassen, zeigt der Beitrag zur Ladestation für Zuhause und unterwegs.

Kosten und Förderung: Was ein E-Motorrad wirklich kostet

Preislich ist die Spanne groß. Einfache Modelle starten bei rund 3.000 bis 5.000 Euro, Premium-Maschinen wie die Zero SR/F kosten 20.000 Euro und mehr. Dem höheren Kaufpreis stehen geringere laufende Kosten gegenüber: Strom statt Benzin, weniger Verschleiß und keine Kfz‑Steuer. Wer zu Hause lädt, kann mit einem flexiblen Stromtarif zusätzlich sparen, und die Kosten für den Ladepunkt lassen sich im Beitrag zu den Wallbox-Kosten gut einschätzen.

Bei der Kaufförderung gibt es dagegen eine Einschränkung. Die 2026 eingeführte Bundesförderung für Elektrofahrzeuge ist nach aktuellem Stand auf Pkw der Klasse M1 ausgelegt, E-Motorräder sind nicht berücksichtigt. Einen Überblick liefert unser Beitrag zur E-Auto-Förderung 2026.

THG-Prämie für das E-Motorrad: Wer 2026 Anspruch hat

Halter:innen reiner Elektrofahrzeuge können einmal jährlich ihre eingesparten CO₂-Emissionen als Treibhausgasminderungsquote verkaufen. Der Erlös ist die THG-Prämie. Wie der Handel dahinter funktioniert, erklärt unser Beitrag zu CO₂-Zertifikaten und Emissionshandel. Bei Zweirädern entscheidet die Fahrzeugklasse:

Fahrzeugklasse Beispiel THG-Prämie 2026
L3e-A2 E-Motorrad mit mehr als 11 kW bis 35 kW Ja
L3e-A3 E-Motorrad mit mehr als 35 kW Ja
L7e Schweres E-Quad Ja
L3e-A1 125er-Leichtkraftrad bis 11 kW Nein
L1e E-Roller und Mofa bis 45 km/h Nein
L6e Leichtes vierrädriges Kraftfahrzeug Nein

Berechtigte E-Motorräder erhalten 2026 die gleiche Prämie wie ein Elektro-Pkw. Hybride und Plug-in-Hybride sind ausgeschlossen, mehr dazu in unserem Beitrag zur THG-Prämie für Hybridfahrzeuge. Eine Übersicht aller Klassen bietet die Seite zu den Fahrzeugklassen. Speziell für Zweiräder gibt es außerdem die Seite zur THG-Prämie für Elektroroller und Motorräder.

Bei emobility.energy stehen für Privatkund:innen drei Modelle zur Wahl. Eine Gegenüberstellung finden Sie auch im THG-Vergleich der Modelle und Prämien:

Modell Prämie Besonderheit
Express 2026 200 € Schnelle Auszahlung, meist in unter 48 Stunden, komplett digital
Variabel Garant 2026 bis zu 450 €, mindestens 170 € garantiert Der Betrag orientiert sich am Marktpreis
Garant 2026 300 € fix Inklusive 76 € Neukundenbonus

So gehen Sie vor:

  1. Fahrzeugklasse prüfen: In Feld J der Zulassungsbescheinigung Teil 1 steht je nach Eintrag die Unterklasse (L3e-A2, L3e-A3, L7e) oder nur L3e. Steht dort nur L3e, zeigt Feld P.2 die Motorleistung: Über 11 kW handelt es sich um A2 oder A3, bis 11 kW um die nicht berechtigte Klasse A1.
  2. Modell wählen und mit dem THG-Prämienrechner die Höhe abschätzen.
  3. Die Zulassungsbescheinigung Teil 1 (Fahrzeugschein) hochladen und den Antrag online stellen.
  4. Auszahlung abwarten: Beim Modell Express meist nach wenigen Tagen, bei den übrigen Modellen nach der Zertifizierung durch das Umweltbundesamt.

Hinweis: Das Umweltbundesamt nimmt Anträge für 2026 bis zum 15. November 2026 an. Anbieter bündeln und prüfen die Unterlagen vorher, deshalb sollte der Antrag möglichst noch im Oktober gestellt werden. Für Privatpersonen ist die THG-Prämie steuerfrei, bei gewerblich gehaltenen Fahrzeugen zählt sie als Betriebseinnahme. Für Unternehmen gibt es die THG-Prämie für Flottenbetreiber, für mehrere private Fahrzeuge den Beitrag zur THG-Prämie für mehrere Fahrzeuge.

Wer zu Hause eine Wallbox betreibt und sie für Dritte zugänglich macht, kann zusätzlich eine THG-Prämie für den abgegebenen Ladestrom erhalten. Voraussetzung ist ein bei der Bundesnetzagentur gemeldeter Ladepunkt. Wie die Anmeldung des Ladepunkts abläuft, zeigt unser Beitrag. 

Zusammenfassend

Das E-Motorrad ist für Stadtverkehr, Arbeitsweg und Touren im Umland eine überzeugende Alternative zum Verbrenner. Für lange Autobahnetappen braucht es weiterhin Planung, und die Preise liegen über denen vergleichbarer Benziner. Dafür punkten niedrige Unterhaltskosten, Steuerfreiheit und die THG-Prämie. Entscheidend ist ein Blick in den Fahrzeugschein: Nur Fahrzeuge der Klassen L3e-A2, L3e-A3 und L7e sind 2026 berechtigt, 125er und Roller gehen leer aus.

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Häufige Fragen zum E-Motorrad

Bekommt man für jedes E-Motorrad eine THG-Prämie?

Nein. Berechtigt sind 2026 E-Motorräder der Klassen L3e-A2 und L3e-A3 sowie schwere E-Quads der Klasse L7e. 125er der Klasse L3e-A1, E-Roller der Klasse L1e und Plug-in-Hybride erhalten keine THG-Prämie.

Welchen Führerschein braucht man für ein E-Motorrad?

Das hängt von der Motorleistung ab. Bis 11 kW genügt die Klasse A1 oder die Schlüsselzahl B196, bis 35 kW ist die Klasse A2 nötig, darüber die Klasse A.

Wie weit fährt ein E-Motorrad?

City-Modelle schaffen 70 bis 100 Kilometer, größere Maschinen geben im Stadtverkehr bis zu 400 Kilometer an. Bei Autobahntempo sinkt die Reichweite teilweise auf 100 bis 150 Kilometer.

Ist ein E-Motorrad von der Kfz-Steuer befreit?

Reine Elektrofahrzeuge sind nach § 3d KraftStG bis zu zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit, nach aktuellem Stand bei Erstzulassung bis Ende 2030 und längstens bis 2035. Leichtkrafträder bis 11 kW (L3e-A1) sind in Deutschland ohnehin steuerfrei.

Bis wann kann man die THG-Prämie 2026 beantragen?

Das Umweltbundesamt nimmt Anträge bis zum 15. November 2026 an. Da Anbieter die Unterlagen vorher prüfen und bündeln, sollte der Antrag möglichst noch im Oktober gestellt werden.

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