Wallbox Plug and Charge: Funktionsweise, Voraussetzungen & ISO 15118

Wallbox Plug and Charge ist eine Ladetechnologie, bei der das Elektroauto beim Einstecken des Ladekabels automatisch erkannt und der Ladevorgang ohne Karte, App oder PIN gestartet wird. Grundlage ist der internationale Standard ISO 15118. Ab Januar 2026 ist ISO 15118-2 (die Basisstufe mit automatischer Authentifizierung) für neu installierte öffentliche Ladepunkte in der EU verpflichtend.

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In diesem Artikel:

Das Laden eines Elektroautos sollte so unkompliziert sein wie das Tanken eines Verbrenners. In der Realität stehen E-Auto-Halter:innen aber häufig vor einer kleinen Hürde: RFID-Karte suchen, App öffnen, QR-Code scannen oder PIN eingeben. Wallbox Plug and Charge löst dieses Problem vollständig. Die Technologie ermöglicht das vollautomatische Laden, das mit einem einzigen Handgriff beginnt und endet: einstecken, fertig.

Dieser Artikel erklärt, wie Wallbox Plug and Charge funktioniert, welche Voraussetzungen nötig sind, welche Fahrzeuge die Technologie bereits unterstützen und warum sie ab 2026 zum neuen Standard in der Ladeinfrastruktur wird.

Was ist Wallbox Plug and Charge?

Plug and Charge bezeichnet ein automatisiertes Authentifizierungsverfahren für Elektrofahrzeuge. Sobald der Ladestecker an die Wallbox oder Ladesäule angeschlossen wird, identifiziert sich das Fahrzeug über ein digitales Zertifikat gegenüber dem Ladepunkt. Der Ladevorgang startet daraufhin ohne jede weitere Nutzerinteraktion. Die Abrechnung erfolgt automatisch im Hintergrund über einen zuvor hinterlegten Ladevertrag.

Das klingt simpel, aber es steckt ein komplexes technisches System dahinter: Plug and Charge nach ISO 15118 nutzt dieselben kryptografischen Verfahren wie Online-Banking, um die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladepunkt zu verschlüsseln und abzusichern.

Hinweis: Plug and Charge und „Autocharge“ sind nicht dasselbe. Autocharge identifiziert Fahrzeuge lediglich anhand der MAC-Adresse und ist damit deutlich unsicherer. Plug and Charge nach ISO 15118 setzt auf kryptografisch gesicherte X.509-Zertifikate und gilt als wesentlich robusterer und fälschungssichererer Standard.

Wie funktioniert Plug and Charge technisch?

Die technische Grundlage bildet der internationale Kommunikationsstandard ISO 15118. Er regelt, wie Elektrofahrzeuge und Ladestationen miteinander kommunizieren. Der Ablauf eines Ladevorgangs mit Plug and Charge lässt sich in wenige Schritte unterteilen:

  1. Stecker einrasten: Sobald der Ladestecker einrastet, baut das Fahrzeug über Power Line Communication (PLC) eine verschlüsselte Verbindung zur Ladestation auf.
  2. Zertifikataustausch: Das Fahrzeug sendet ein digitales X.509-Zertifikat, das den Mobilitätsdienstleister und den Ladevertrag identifiziert.
  3. Prüfung und Freigabe: Die Ladestation prüft das Zertifikat gegen ein Root-Zertifikat der Public-Key-Infrastruktur (PKI), die in Europa maßgeblich durch Spezialisten wie Hubject bereitgestellt wird. Bei positiver Prüfung wird der Ladevorgang freigegeben.
  4. Laden und Abrechnung: Das Fahrzeug lädt, die Abrechnung erfolgt automatisch über den hinterlegten Vertrag.

Der gesamte Vorgang dauert nur zwei bis drei Sekunden und läuft vollständig im Hintergrund ab.

Es gibt zwei relevante Versionen des Standards:

Standard Jahr Kernfunktionen
ISO 15118-2 2016 Plug & Charge (AC und DC), verschlüsselte Kommunikation, automatische Authentifizierung
ISO 15118-20 2022 Bidirektionales Laden (V2G/V2H), Multi-Vertragsabwicklung, dynamische Preissignale, erweiterte Sicherheit

Wichtig für die Praxis: ISO 15118-20 ist abwärtsfähig. Eine Wallbox oder Ladesäule der neuen Generation akzeptiert weiterhin Fahrzeuge, die nur ISO 15118-2 sprechen. Der erweiterte Funktionsumfang greift jedoch nur, wenn beide Seiten den neueren Standard unterstützen.

Voraussetzungen für Wallbox Plug and Charge

Damit Plug and Charge zuverlässig funktioniert, müssen drei Bedingungen erfüllt sein:

1. Kompatibles Elektrofahrzeug

Das E-Auto muss ISO 15118 unterstützen und mit einem entsprechend eingerichteten digitalen Fahrzeugzertifikat ausgestattet sein. Viele Fahrzeughersteller übernehmen die Zertifikatseinrichtung über ihre eigenen Backend-Systeme, sodass Halter:innen in der Regel nichts manuell konfigurieren müssen.

Zu den Fahrzeugen, die Plug and Charge nach ISO 15118-2 bereits ab Werk unterstützen, zählen Stand 2026 unter anderem:

Hersteller Modelle (Auswahl)
Mercedes-Benz EQE, EQS, GLC EQ (ab MJ 2025), CLA EQ (ab MJ 2025)
Porsche Taycan, Macan Electric
Audi e-tron GT, Q6 e-tron, Q8 e-tron
BMW iX, i4, i5, iX3 (ab 2025)
Hyundai / Kia Ioniq 5 N, Ioniq 6, EV6 GT, EV9
Polestar / Volvo Polestar 3, Volvo EX90
VW / Škoda / Cupra ID.3, ID.4, ID.5, ID.7, Škoda Enyaq, Cupra Born (ab Software-Version 3.0 bzw. OTA-Update)

Tipp: Prüfe vor dem Kauf einer Plug-and-Charge-fähigen Wallbox im Handbuch oder auf der Herstellerwebsite deines E-Autos, ob das Fahrzeug den Standard unterstützt. Achte auf die Angaben „ISO 15118“, „Plug & Charge“ oder das entsprechende PnC-Logo.

2. ISO-15118-fähige Wallbox

Die Ladestation selbst muss ebenfalls für ISO 15118 ausgelegt sein. Technisch erfordert das neben einer entsprechenden Software auch ein verbautes PLC-Modem (Power Line Communication), über das die verschlüsselte Fahrzeug-Wallbox-Kommunikation läuft. Dieses Hardware-Merkmal ist nicht per Software-Update nachrüstbar, sondern muss ab Werk verbaut sein.

Wallboxen mit Plug-and-Charge-Unterstützung sind in der Regel mit dem Hinweis „ISO 15118“ oder „PnC-ready“ gekennzeichnet. Sowohl AC- als auch DC-Wallboxen können die Funktion unterstützen. Moderne Geräte sind zudem oft bereits auf den kommenden Standard ISO 15118-20 und damit auf bidirektionales Laden vorbereitet.

3. Eingerichteter Ladevertrag (beim öffentlichen Laden)

An öffentlichen Ladepunkten setzt Plug and Charge einen beim Fahrzeughersteller oder Mobilitätsdienstleister hinterlegten Ladevertrag voraus. Dieser wird einmalig eingerichtet und dann automatisch für jeden Ladevorgang genutzt. An der eigenen privaten Wallbox zuhause entfällt diese Anforderung, da hier keine externe Abrechnung stattfindet.

Plug and Charge zuhause: Wann brauche ich eine ISO-15118-fähige Wallbox?

Hier lohnt es sich, zwei Dinge auseinanderzuhalten, die im Alltag leicht verwechselt werden.

Wer sein E-Auto zuhause in der eigenen Garage lädt und die RFID-Funktion der Wallbox einfach deaktiviert hat, erlebt bereits heute ein „Einstecken und losladen“: Die Wallbox gibt den Strom sofort frei, sobald der Stecker einrastet. Das ist aber kein ISO-15118-Plug-and-Charge, sondern das einfache IEC-61851-Protokoll, das über ein PWM-Signal regelt, wie viel Strom das Fahrzeug ziehen darf. Für dieses Szenario braucht es keine ISO-15118-fähige Hardware.

Echtes Plug and Charge nach ISO 15118 macht zuhause vor allem in zwei Situationen Sinn:

  • Dienstwagen und Flotten: Wenn mehrere Fahrzeuge an derselben Wallbox laden und die Ladedaten fahrzeuggenau und revisionssicher für die Arbeitgeberabrechnung erfasst werden müssen, liefert ISO 15118 die nötige kryptografische Identifikation. Mehr dazu im Abschnitt zu Wallbox und Dienstwagenabrechnung.
  • Zukunftstechnologien: Für bidirektionales Laden (Vehicle-to-Home, Vehicle-to-Grid nach ISO 15118-20) und intelligentes Energiemanagement mit dem Heimsystem (HEMS) ist ISO-15118-Hardware die technische Voraussetzung. Wer heute eine entsprechende Wallbox installiert, ist bereit, wenn diese Technologien breiter verfügbar werden. Mehr dazu erklärt der Artikel zu PV-Überschussladen und Solarstrom.

Hinweis: Eine ISO-15118-fähige Wallbox kostet in der Regel mehr als ein einfaches Basismodell. Wer ausschließlich privat lädt, kein Dienstfahrzeug hat und kein bidirektionales Laden plant, kommt mit einer Standard-Wallbox in der eigenen Garage gut aus. Der Mehrpreis lohnt sich besonders für Dienstwagen, Flotten oder wenn eine öffentlich zugängliche Wallbox für das THG-Ladestromportal angemeldet werden soll.

Plug and Charge wird 2026 zum Standard an öffentlicher Ladeinfrastruktur

Die Technologie gewinnt auch regulatorisch stark an Gewicht. Mit der EU-Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR, in Kraft seit April 2024) und der ergänzenden Delegierten Verordnung (EU) 2025/656 hat die Europäische Union klare Fristen für die öffentliche und halböffentliche Ladeinfrastruktur gesetzt:

Datum Anforderung Betrifft
8. Januar 2026 ISO 15118-2 verpflichtend Alle neu installierten oder umfassend erneuerten öffentlich zugänglichen Ladepunkte
1. Januar 2027 ISO 15118-20 verpflichtend Neu errichtete öffentlich zugängliche und gewerblich genutzte Mode-3-Ladepunkte

Wichtig: Die AFIR-Vorgaben richten sich ausschließlich an Betreiber:innen öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur. Private Eigenheimbesitzer:innen, die eine Wallbox ausschließlich für den eigenen Bedarf in der eigenen Garage betreiben, sind von diesen gesetzlichen Anforderungen nicht betroffen.

Für neu errichtete öffentliche Ladepunkte bedeutet das: Ab dem 8. Januar 2026 muss die Hardware ab Werk mit einem PLC-Modem ausgestattet sein, da ein einfaches Software-Update in den meisten Fällen nicht ausreicht. In Deutschland unterstützen bereits führende Ladenetzwerke wie Ionity, EnBW HyperNetz, Fastned, Aral Pulse, Shell Recharge, EWE Go und Allego die Plug-and-Charge-Funktion.

Für Betreiber:innen von halböffentlichen oder gewerblichen Ladepunkten, etwa an Unternehmensparkplätzen, Hotels oder Wohnanlagen, bedeutet das: Wer heute Ladeinfrastruktur plant, sollte auf ISO-15118-fähige Hardware setzen, um kostspielige Nachrüstungen zu vermeiden.

Plug and Charge für Unternehmen und Flotten

Für Unternehmen mit E-Flotten bietet Plug and Charge erhebliche operative Vorteile. Die automatische Authentifizierung entfällt als Fehlerquelle, die Abrechnungsprozesse vereinfachen sich, und die Nutzung der Ladeinfrastruktur durch wechselnde Fahrer:innen wird deutlich reibungsloser. Gerade bei Wallboxen, die für die Abrechnung von Dienstwagenladungen eingesetzt werden, kann die Technologie den administrativen Aufwand spürbar senken.

Wer eine Wallbox für den Dienstwagen installiert und diese für mehrere Fahrzeuge nutzbar machen möchte, profitiert von der fahrzeugbasierten Authentifizierung: Die Wallbox erkennt jedes berechtigte Fahrzeug automatisch und ordnet den Ladevorgang korrekt zu.

Sicherheit bei Plug and Charge

Eine häufige Frage betrifft die Datensicherheit. Plug and Charge nach ISO 15118 gilt als sehr sicher, da die Kommunikation vollständig verschlüsselt abläuft. Der Standard ist herstellerneutral konzipiert und erlaubt verschiedene PKI-Anbieter; in Europa übernimmt diese Rolle maßgeblich Hubject als führendes Trust Center. Jedes Fahrzeug erhält ein individuelles Zertifikat, das kryptografisch einmalig ist und nicht kopiert werden kann.

Im Gegensatz dazu basiert Autocharge auf der MAC-Adresse des Fahrzeugs, die theoretisch dupliziert werden kann. ISO 15118 schließt diese Angriffsfläche aus und stellt damit einen deutlich robusteren Ansatz dar.

Zusammenfassend: Plug and Charge als Schlüssel zur nahtlosen Elektromobilität

Wallbox Plug and Charge macht das Laden so einfach, wie es schon lange sein sollte. Einstecken genügt. Keine Karten, keine Apps, keine PINs. Die Technologie bringt echten Komfortgewinn für alle E-Auto-Halter:innen, die regelmäßig an der eigenen Wallbox oder öffentlichen Ladepunkten laden. Gleichzeitig legt ISO 15118 die technische Basis für intelligentes Laden, bidirektionale Energieflüsse und dynamische Stromtarife.

Da die EU Plug and Charge ab 2026 schrittweise zur Pflicht für neue öffentliche Ladepunkte macht, ist die Technologie kein Nischenmerkmal mehr, sondern der kommende Standard an öffentlicher und gewerblicher Ladeinfrastruktur in Europa. Für Privatpersonen, die eine Wallbox für Dienstfahrzeuge, Flotten oder eine halböffentlich zugängliche Ladestation planen, ist ISO-15118-Fähigkeit heute ein zentrales Kaufkriterium. Wer ausschließlich privat und für den eigenen Bedarf lädt, profitiert vor allem von den Zukunftsvorteilen rund um bidirektionales Laden und Smart Charging.

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Wer eine öffentlich zugängliche Wallbox betreibt, kann den darüber abgerechneten Ladestrom beim Umweltbundesamt zertifizieren lassen und als THG-Quote verkaufen. emobility.energy übernimmt die gesamte Abwicklung digital und DSGVO-konform.

Häufige Fragen zu Wallbox Plug and Charge

Was bedeutet Plug and Charge bei einer Wallbox? 

Plug and Charge ermöglicht das vollautomatische Laden ohne Karte, App oder PIN. Das Fahrzeug identifiziert sich beim Einstecken des Ladekabels selbstständig über ein digitales Zertifikat an der Wallbox, der Ladevorgang startet automatisch.

Welcher Standard liegt Plug and Charge zugrunde? 

Die technische Grundlage bildet der internationale Standard ISO 15118, der die verschlüsselte Kommunikation zwischen Elektrofahrzeug und Ladepunkt regelt. Die aktuelle Version ISO 15118-2 bildet die Basis; ISO 15118-20 erweitert den Standard um bidirektionales Laden und weitere Funktionen.

Welche Fahrzeuge unterstützen Plug and Charge? 

2026 unterstützen unter anderem Fahrzeuge von Mercedes-Benz, Porsche, Audi, BMW, Hyundai, Kia, Polestar und Volvo Plug and Charge ab Werk. Die Liste wächst stetig. Infos dazu finden sich im Handbuch oder auf der Website des jeweiligen Herstellers.

Ist Plug and Charge sicher? 

Ja. Die Technologie nutzt kryptografisch gesicherte X.509-Zertifikate und eine herstellerneutrale Public-Key-Infrastruktur (PKI), die in Europa maßgeblich durch Spezialisten wie Hubject bereitgestellt wird. Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation ist vollständig verschlüsselt.

Wird Plug and Charge Pflicht? 

Für Betreiber:innen neu installierter öffentlicher Ladepunkte ist ISO 15118-2 seit dem 8. Januar 2026 auf Basis der EU-AFIR-Verordnung verpflichtend. Ab 1. Januar 2027 folgt ISO 15118-20 für neu errichtete öffentliche und gewerblich genutzte Ladepunkte. Private Wallboxen in der eigenen Garage sind von diesen gesetzlichen Vorgaben nicht betroffen.

Brauche ich für Plug and Charge an meiner privaten Wallbox einen Ladevertrag? 

Nein. An der eigenen privaten Wallbox ist kein separater Ladevertrag nötig. Der Ladevorgang startet automatisch, ohne externe Abrechnung. Einen Ladevertrag beim Mobilitätsdienstleister braucht man nur für das öffentliche Laden an Fremdladepunkten.

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