Warum das E-Auto als Stromspeicher zunehmend wichtiger wird
Stromausfälle können jeden treffen, sei es durch Unwetter, technische Defekte oder Überlastung des Netzes. Ereignisse wie der Blackout in Berlin-Steglitz 2026 mit über 100.000 betroffenen Haushalten oder die zunehmenden Wetterextreme zeigen: Eine Absicherung für den Notfall wird wichtiger. Genau hier zeigt sich das Potenzial moderner Elektroautos: Sie können nicht nur nachhaltig fahren, sondern auch als mobile Energiespeicher dienen.
Die Technologie des bidirektionalen Ladens ermöglicht es, dass der Strom nicht nur in den Akku fließt, sondern bei Bedarf auch wieder herausfließen kann. Das E-Auto als Stromspeicher wird damit zu einer wertvollen Absicherung für den Haushalt, und nebenbei zu einem zusätzlichen Argument für die Elektromobilität.
Was bedeutet bidirektionales Laden?
Bidirektionales Laden bezeichnet die Fähigkeit eines Elektroautos, Strom nicht nur aufzunehmen, sondern auch wieder abzugeben. Man unterscheidet dabei verschiedene Stufen:
- Vehicle-to-Load (V2L): Das E-Auto als Stromspeicher versorgt externe Geräte über eine Steckdose am Fahrzeug. Diese Funktion ist bereits heute bei vielen Modellen verfügbar.
- Vehicle-to-Home (V2H): Über eine spezielle bidirektionale Wallbox wird der Strom ins Hausnetz eingespeist und kann die gesamte Wohnung versorgen.
- Vehicle-to-Grid (V2G): In der Zukunft können E-Autos als Stromspeicher auch Energie ins öffentliche Netz zurückgeben und zur Netzstabilisierung beitragen.
Tipp: Prüfen Sie beim Fahrzeugkauf, ob V2L oder V2H bereits verfügbar ist, nicht alle E-Autos unterstützen diese Funktionen serienmäßig.
Diese E-Autos können bereits als Stromspeicher genutzt werden
Immer mehr Hersteller statten ihre Elektrofahrzeuge mit bidirektionaler Ladefunktion aus. Vorreiter sind vor allem asiatische Marken:
Hyundai, Kia und Genesis
Die Modelle auf der E-GMP-Plattform (z.B. Kia EV6, EV9, Hyundai Ioniq 5, Ioniq 6, Genesis GV70) verfügen standardmäßig über V2L. Mit einem speziellen Adapter lassen sich Geräte bis 3,6 kW Leistung betreiben.
BYD
Der chinesische Hersteller integriert V2L zunehmend in seine Modellpalette und macht das E-Auto als Stromspeicher zur Standardfunktion.
Weitere Hersteller
Auch Nissan (Leaf), Ford (F-150 Lightning), Renault (R5 E-Tech) und Volvo bieten bidirektionale Lösungen an. VW arbeitet mit den ID-Modellen an V2H über DC-Laden, was jedoch deutlich höhere Investitionen in die Ladeinfrastruktur erfordert.
Laut konservativen Schätzungen des Energieversorgers E.ON sind bereits rund 250.000 E-Autos auf deutschen Straßen mit dieser Technologie ausgestattet – durch Neuzulassungen Ende 2025 dürfte die Zahl mittlerweile noch höher liegen.
Wie viel Energie liefert ein E-Auto als Stromspeicher?
Die nutzbare Energiemenge hängt von der Akkukapazität ab. Bei den meisten Fahrzeugen können etwa 80 Prozent der Batteriekapazität für V2L genutzt werden, die restlichen 20 Prozent bleiben als Reserve erhalten.
Rechenbeispiel Kia EV3 (58,3 kWh Akku)
*Reduziert durch Anlaufstrom, Umwandlungsverluste und Eigenverbrauch des Fahrzeugs
**Im unrealistischen Dauerbetrieb – praktisch wird eine Kaffeemaschine nur kurzzeitig genutzt
***Das Bordnetz und Batteriemanagement des E-Autos verbrauchen im aktiven Zustand zusätzlich 200 bis 500 Watt (entspricht 0,2 bis 0,5 kWh pro Stunde)
Ein häufig übersehener Faktor ist der Eigenverbrauch des Fahrzeugs selbst. Wenn das E-Auto als Stromspeicher aktiv ist, bleibt das gesamte Bordnetz „wach" und verbraucht je nach Modell zwischen 200 und 500 Watt, zusätzlich zum angeschlossenen Gerät. Bei stromsparenden Verbrauchern wie einem Fernseher kann dieser Standby-Verlust des Autos sogar höher sein als der eigentliche Geräteverbrauch.
Ein größerer Akku wie beim Kia EV9 (99,8 kWh) verdoppelt diese Werte nahezu. Damit kann das E-Auto als Stromspeicher einen durchschnittlichen Haushalt problemlos über Nacht oder sogar mehrere Tage mit Strom versorgen, vorausgesetzt, der Verbrauch wird moderat gehalten.
Hinweis: Die tatsächliche Laufzeit liegt meist unter den theoretischen Werten, da Umwandlungsverluste und Spitzenlasten beim Gerätestart zusätzlich Energie kosten.
Was kann man mit dem E-Auto als Stromspeicher betreiben?
Geeignete Geräte (bis 3,6 kW)
- Beleuchtung
- Kühlschrank und Gefriertruhe
- Fernseher und Computer
- Kaffeemaschine und Wasserkocher
- Kleinere Heizgeräte
- Ladegeräte für Smartphones, Laptops, E-Bikes
- WLAN-Router und Kommunikationsgeräte
Nicht empfohlen (über 3,6 kW)
- Waschmaschine und Trockner
- Elektroherd
- Klimaanlage
- Leistungsstarke Heizlüfter im Dauerbetrieb
Bei Überlastung schaltet sich der V2L-Adapter automatisch ab, um Akku und Elektronik zu schützen. Das System verkraftet maximal 16 Ampere Stromstärke.
Voraussetzungen für die Nutzung
Um Ihr E-Auto als Stromspeicher zu nutzen, benötigen Sie:
- Ein kompatibles Elektrofahrzeug mit V2L- oder V2H-Funktion
- Einen V2L-Adapter (oft im Lieferumfang oder als Zubehör erhältlich)
- Für V2H: Eine bidirektionale Wallbox mit entsprechender Hausanschluss-Integration
- Geprüfte Verlängerungskabel ohne Beschädigungen (bei V2L)
- Einen ausreichend geladenen Akku (mindestens 20% Restkapazität bleiben geschützt)
Tipp: Steckerleisten sollten vermieden werden, schließen Sie Geräte direkt am V2L-Adapter an, um Überlastung zu vermeiden.
Praktische Anwendungsfälle im Alltag
Das E-Auto als Stromspeicher ist nicht nur für Notfälle nützlich:
- Camping und Outdoor: Versorgen Sie beim Campingausflug elektrische Geräte, Kühlboxen oder sogar einen Caravan mit Strom.
- Gartenarbeit: Betreiben Sie elektrische Werkzeuge ohne Verlängerungskabel vom Haus.
- Veranstaltungen: Mobile Stromversorgung für Events, Märkte oder Open-Air-Aktivitäten.
- Baustellen: Provisorische Energiequelle, wenn noch kein Stromanschluss vorhanden ist.
- Blackout-Absicherung: Bei Stromausfällen bleiben wichtige Geräte wie Kühlschrank, Heizung oder medizinische Geräte funktionsfähig.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Die Nutzung des E-Autos als Stromspeicher verursacht kaum zusätzliche Kosten. Der V2L-Adapter ist bei vielen Herstellern bereits im Kaufpreis enthalten oder kostet zwischen 200 und 400 Euro.
Für Vehicle-to-Home sind bidirektionale Wallboxen erforderlich. Hier gibt es erhebliche Unterschiede:
AC-basierte Systeme (z.B. bei Hyundai/Kia): 2.000 bis 4.000 Euro
DC-basierte Systeme (z.B. bei VW): 8.000 bis 15.000 Euro plus aufwändige Installation
Hinweis: VW setzt beim bidirektionalen Laden auf DC-Technik (Gleichstrom), was deutlich teurer ist als AC-Lösungen. Zudem benötigen VW-Modelle (ab Software-Version 3.5) oft ein kompatibles Hausenergiemanagement-System (HEM) bestimmter Partner, was die Voraussetzungen komplexer macht als nur „Auto + Wallbox". Die V2H-Funktion ist zudem oft auf ca. 10.000 kWh Gesamtmenge oder bestimmte Betriebsstunden limitiert, um die Batteriegarantie zu schützen. AC-Systeme asiatischer Hersteller sind günstiger, flexibler einsetzbar und benötigen weniger zusätzliche Infrastruktur.
Mittelfristig rechnen Experten mit sinkenden Preisen durch steigende Nachfrage und Serienproduktion, vorrangig im AC-Bereich.
Die eigentlichen Stromkosten richten sich nach Ihrem Autostrom-Tarif oder dynamischen Stromtarif. Wer das Auto nachts günstig lädt und tagsüber nutzt, kann sogar Geld sparen.
Zusätzlich profitieren E-Auto-Besitzer:innen von der THG-Prämie, die im Kalenderjahr 2026 bis zu 450 Euro beträgt.
Sicherheit und Batteriemanagement
Moderne E-Autos verfügen über intelligente Batteriemanagementsysteme, die den Akku schützen:
- Mindestladung: V2L funktioniert nur bis 20% Restkapazität, um Tiefentladung zu vermeiden
- Temperaturüberwachung: Bei Überhitzung erfolgt eine automatische Abschaltung
- Überlastschutz: Das System trennt bei zu hoher Stromstärke die Verbindung
- Langlebigkeit: Die V2L-Nutzung beeinträchtigt die Batterielebensdauer bei gelegentlichem Einsatz kaum
- Herstellerlimits: Einige Hersteller (z.B. VW) begrenzen die V2H-Nutzung auf bestimmte Energiemengen (ca. 10.000 kWh) oder Betriebsstunden, um die Garantiebedingungen einzuhalten
Hinweis: Verwenden Sie nur hochwertige, geprüfte Kabel und Steckdosen, um Schäden an der Fahrzeugelektronik zu vermeiden.
Die Zukunft: E-Auto als Teil des Smart Home
In den kommenden Jahren wird das E-Auto als Stromspeicher noch stärker ins Smart Home integriert. Kombiniert mit einer Photovoltaikanlage und PV-Überschussladen entsteht ein intelligentes Energiemanagement:
- Tagsüber produziert die Solaranlage Strom
- Überschüssige Energie lädt das E-Auto
- Abends versorgt das Fahrzeug den Haushalt
- Nachts wird günstiger Netzstrom nachgeladen
Diese Vision wird durch Standards wie ISO 15118 ermöglicht, die eine intelligente Kommunikation zwischen Fahrzeug, Wallbox und Energiemanagement erlauben.
Regulatorischer Durchbruch 2026: Ein Meilenstein wurde bereits Anfang Januar 2026 erreicht: Die doppelten Netzentgelte für E-Autos, die Strom zurückspeisen, sind weggefallen. Das E-Auto wird nun rechtlich wie ein Heimspeicher behandelt. Zusätzlich tritt zum 1. April 2026 die MiSpeL-Regelung in Kraft, die das Einspeisen technisch massiv vereinfacht, oft wird kein zweiter Zähler mehr benötigt. Diese Änderungen machen V2G für Privatpersonen erstmals wirtschaftlich attraktiv.
Auch die Einspeisung ins öffentliche Netz (Vehicle-to-Grid) wird damit zunehmend interessant, sowohl für die Netzstabilität als auch für zusätzliche Einnahmen der Fahrzeughalter:innen. Der neue Standard ISO 15118-20 vereinheitlicht das bidirektionale Laden über AC-Anschlüsse und ebnet den Weg für V2G im Massenmarkt.
Zusammenfassend
Das E-Auto als Stromspeicher verwandelt Ihr Elektrofahrzeug von einem reinen Fortbewegungsmittel in ein vielseitiges Energiesystem. Mit Akkukapazitäten zwischen 50 und 100 kWh können moderne E-Autos einen durchschnittlichen Haushalt problemlos über Notfälle hinweg versorgen und bieten darüber hinaus praktische Anwendungsmöglichkeiten für Freizeit und Alltag.
Die Technologie ist bereits heute verfügbar und wird in den kommenden Jahren zum Standard werden. Wer jetzt ein E-Auto kauft, sollte auf V2L- oder V2H-Kompatibilität achten, die Investition zahlt sich langfristig aus, sowohl für die Versorgungssicherheit als auch für ein intelligentes Energiemanagement.
Besonders wirtschaftlich wird das E-Auto als Stromspeicher in Kombination mit dynamischen Stromtarifen: Wer nachts für 15 Cent pro kWh lädt und den Strom abends nutzt (statt für 40 Cent aus dem Netz zu kaufen), spart oft mehr als durch die THG-Prämie allein. Mit der THG-Prämie für E-Autos (bis zu 450€ jährlich) und günstigen Ladetarifen wird die Elektromobilität nicht nur nachhaltiger, sondern auch wirtschaftlich attraktiver. Der regulatorische Durchbruch Anfang 2026 mit dem Wegfall der doppelten Netzentgelte macht V2G zudem erstmals für Privatpersonen lukrativ.
Jetzt THG-Prämie sichern und mehr aus Ihrem E-Auto herausholen
Nutzen Sie Ihr Elektrofahrzeug nicht nur als Stromspeicher, sondern auch als Einnahmequelle: Mit der THG-Prämie erhalten Sie bis zu 450€ pro Jahr für Ihre CO₂-Einsparungen.
- Jetzt THG-Prämie berechnen: THG-Prämienrechner
- Ladepunkt betreiben? Registrieren Sie Ihre Ladeinfrastruktur und profitieren Sie zusätzlich: Ladestromportal
- Fragen? Unser deutscher Kundenservice hilft gerne weiter: hello@emobility.energy
- Mehr erfahren: www.emobility.energy
Besuchte Quellen:
- Quelle – Besucht am (20.01.2026 - 10:34 Uhr):
https://energieatlas.eon.de/e-mobility/bidi-atlas - Quelle – Besucht am (20.01.2026 - 10:51 Uhr):
https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/01/berlin-sueden-massiver-stromausfall-nikolassee-zehlendorf-wannsee-lichterfelde-verteilerstation-brand.html - Quelle – Besucht am (20.01.2026 - 11:17 Uhr):
https://www.mobilityhouse.com/de_de/unser-unternehmen/presse/artikel/bundestag-schafft-durchbruch-fur-bidirektionales-laden-vehicle-to-grid-wird-moglich

