Warum es aktuell so wenige Cabrio Elektroautos gibt
Die Kombination aus offenem Dach und Elektroantrieb klingt verlockend: leises Gleiten, Fahrtwind, keine lokalen Emissionen. In der Praxis stellt sie Ingenieure aber vor besondere Herausforderungen.
Ein Cabrio braucht eine sehr steife Karosserie, weil das Dach fehlt, muss die Fahrgastzelle durch zusätzliche Verstrebungen stabilisiert werden. Das kostet Gewicht. Ein Elektroauto bringt durch den Akku ohnehin schon Mehrgewicht mit. Die Kombination beider Faktoren macht ein E-Cabrio konstruktiv aufwändiger und teurer als ein geschlossenes Elektroauto derselben Klasse.
Hinzu kommt: Cabrios sind generell ein Nischenprodukt mit vergleichsweise geringen Stückzahlen. Für Hersteller, die ihre Entwicklungsbudgets auf massentaugliche SUVs und Kompaktwagen konzentrieren, lohnt sich der Aufwand für ein E-Cabrio oft kaum. Das erklärt, warum Modelle wie der Smart EQ fortwo Cabrio oder der Citroën e-Mehari eingestellt wurden und das Mini Elektro-Cabrio vorerst nur als 999-Stück-Kleinserie erschien – und sofort ausverkauft war.
2026 ändert sich das Bild langsam: Mit dem MG Cyberster ist seit Ende 2024 der erste rein elektrische Roadster aus Serienfertigung auf dem Markt. Der Polestar 6 steht kurz vor der Auslieferung. Und Porsche sowie MINI arbeiten an elektrischen Cabrio-Nachfolgern.
Cabrio Elektroautos 2026: Die aktuell kaufbaren Modelle
1. Fiat 500e Cabrio – Der Klassiker mit Stoff-Rolldach
Was ist es? Der Fiat 500e Cabrio ist technisch kein vollwertiges Cabrio, das Stoff-Rolldach öffnet sich nach hinten, B- und C-Säule bleiben stehen. Trotzdem vermittelt er das Cabrio-Feeling, das zum mediterranen Charakter des 500 passt.
Technische Daten:
- Antrieb: 70 kW (95 PS) oder 87 kW (118 PS)
- Akku: 42 kWh brutto
- Reichweite: bis 320 km (WLTP)
- Ladegeschwindigkeit: bis 85 kW DC
- Preis: ab ca. 32.490 Euro
Für wen? Der Fiat 500e Cabrio ist der günstigste Einstieg in die Welt der Cabrio Elektroautos – ideal für die Stadt, für kürzere Strecken und alle, die Stil über Reichweite stellen. Er lässt sich zudem auch in bestimmten Umweltzonen problemlos nutzen.
2. Abarth 500e Cabrio – Der sportliche Bruder
Was ist es? Die Hochleistungsversion des Fiat 500e – optisch aggressiver, leistungsstärker, mit einem digitalen Soundgenerator, der das Verbrenner-Feeling simuliert.
Technische Daten:
- Antrieb: 114 kW (155 PS)
- Akku: 42 kWh brutto
- Reichweite: bis ca. 255 km (WLTP)
- Preis: ab ca. 40.990 Euro
Für wen? Wer das Stadtcabrio mit mehr Punch möchte. Der Abarth 500e Cabrio macht keinen Hehl daraus, dass er Fahrfreude über Alltagspragmatismus stellt, die geringere Reichweite ist der Preis für das sportlichere Setup.
3. MG Cyberster – Der erste echte Elektro-Roadster der Welt
Was ist es? Der MG Cyberster ist das aufregendste Cabrio Elektroauto auf dem aktuellen Markt, ein vollwertiger Roadster mit Stoffverdeck, das sich in rund zehn Sekunden öffnet und schließt. Seit Dezember 2024 offiziell in Deutschland erhältlich und für das Modelljahr 2026 leicht überarbeitet: neue Farben, verbessertes Windschott, optimierte Innenraumablagen und eine leicht verbesserte Ladekurve in der Basisversion (Trophy). Der Kofferraum bleibt unverändert bei 249 Litern – auch bei offenem Verdeck.
Technische Daten:
- Akku: 77 kWh (74,4 kWh netto)
- Schnellladen: bis 144 kW DC (10–80 % in ca. 38 Min.)
- Kofferraum: 249 Liter (auch bei offenem Verdeck)
- 0–100 km/h: 5,0 s (Trophy) / 3,2 s (GT)
Für wen? Wer einen echten Roadster mit alltagstauglicher Reichweite sucht, liegt beim MG Cyberster richtig. Die Reichweite von 507 km in der Standardversion ist für ein Cabrio bemerkenswert – und löst das klassische Problem der begrenzten Reichweite bei Elektroautos zumindest für diese Fahrzeugklasse. Mehr zur Frage, wie weit E-Autos generell kommen, gibt es im Artikel Wie lange hält die Batterie in einem Elektroauto?
Wichtig: Der MG Cyberster ist als reines Elektroauto grundsätzlich förderfähig unter der neuen Kaufprämie 2026. Die Basisprämie von 3.000 Euro gilt für Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen (zvE) bis 80.000 Euro. Ein wichtiger Realitätscheck: Das zvE ist nicht das Bruttogehalt, sondern das Einkommen nach Abzug von Werbungskosten, Sonderausgaben und Freibeträgen. Ein Haushalt mit ~100.000 Euro Bruttojahresverdienst liegt je nach Abzügen häufig noch im förderfähigen Bereich. Familien profitieren zusätzlich: Die Einkommensgrenze steigt um 5.000 Euro je Kind – bei einem Kind auf 85.000 Euro, bei zwei Kindern auf 90.000 Euro zvE. Das könnte für Familien mit Kindern den Ausschlag geben, ob die 3.000 Euro Basisprämie noch mitgenommen werden können. Wer über der Grenze liegt, geht leer aus – es gibt keine anteilige Auszahlung. Steuerbescheid vorab prüfen lohnt sich.
4. Maserati GranCabrio Folgore – Das Luxus-E-Cabrio für Kenner:innen
Was ist es? Das Maserati GranCabrio Folgore ist seit 2025 auf dem Markt und im Februar 2026 regulär bestellbar, technisch eines der beeindruckendsten Cabrio Elektroautos weltweit, preislich aber in einer eigenen Liga. Anders als der MG Cyberster ist es ein vollwertiger Viersitzer mit elektrischem Stoffverdeck, ein wichtiges Argument für Familien oder alle, die gelegentlich Gäste mitfahren lassen möchten.
Technische Daten:
- Antrieb: 560 kW (762 PS), drei Elektromotoren, Allrad
- Akku: 92,5 kWh (netto)
- Reichweite: ca. 450 km (WLTP)
- Ladesystem: 800-Volt-Architektur, bis zu 270 kW DC (deutlich schneller als der MG Cyberster)
- 0–100 km/h: unter 3 Sekunden
- Verdeck: elektrisches Stoffverdeck (Soft-top), öffnet in unter 14 Sekunden
- Sitze: 4
- Preis: ab ca. 206.700 Euro
Für wen? Wer beim E-Cabrio kein Kompromiss beim Prestige eingehen möchte. Das GranCabrio Folgore kombiniert 800-Volt-Ladetechnik mit Handwerkskunst aus Modena – und ist für Liebhaber:innen der Marke eine der wenigen Möglichkeiten, ein Maserati Cabrio in rein elektrischer Form zu fahren. Die Kaufprämie 2026 spielt in diesem Preissegment keine relevante Rolle.
Cabrio Elektroautos: Was 2026 und danach kommt
Die Lage ist klar: Wer 2026 ein Cabrio Elektroauto kaufen will, hat im Wesentlichen vier Modelle zur Auswahl, von der erschwinglichen Stadtflitzerin bis zum 762-PS-Luxus-Roadster. Dazu kommen mehrere hochkarätige Neuheiten in den Startlöchern.
Polestar 6 – Luxus-Roadster, Auslieferung 2026
Der Polestar 6 war ursprünglich als Polestar O2 bekannt und sorgte bereits 2022 für Aufsehen. Die limitierte Launch Edition (500 Stück, 650 kW / 884 PS, Preis: rund 200.000 Euro) ist bereits ausverkauft. Die Auslieferung ist für Ende 2026 geplant, angesichts der aktuellen Priorisierung des Polestar 4 und 5 in der Produktion ist aber ein Rutschen in das erste Quartal 2027 nicht auszuschließen. Angestrebte Reichweite: rund 600 km. Der Polestar 6 nutzt 800-Volt-Ladetechnik auf einer Aluminium-Spaceframe-Plattform.
Für die breite Masse ist der Polestar 6 wegen seines Preises kaum relevant – als Zeichen, dass das Segment lebt und wächst, ist er aber ein wichtiges Signal.
MINI Cooper E Cabrio – Paul Smith Edition bereits konfigurierbar
Hier gibt es eine topaktuelle Neuigkeit für 2026: Entgegen früherer Prognosen hat MINI für das erste Halbjahr 2026 die MINI Cooper Cabrio „Paul Smith Edition" angekündigt – eine limitierte Sonderedition des elektrischen Mini Cabrios, die ab 28. Mai 2026 konfigurierbar sein wird. Sie ist bereits das Gesprächsthema bei den Händlern im Februar 2026. Wie schon bei der ersten E-Cabrio-Kleinserie (999 Stück, sofort ausverkauft) handelt es sich auch diesmal um ein limitiertes Angebot. Wer es jetzt schon bestellen möchte: noch etwas Geduld – der Konfigurator öffnet offiziell Ende Mai.
Der reguläre Serienstart des „normalen" elektrischen MINI Cooper Cabrios ohne Sonderedition bleibt dagegen bei frühestens 2027. BMW arbeitet außerdem an einem i4 Cabrio auf Neue-Klasse-Basis – allerdings erst für 2028.
Porsche 718 Boxster Electric – Offiziell erst Frühjahr 2027
Porsche elektrifiziert seinen Kultboxster auf der „Premium Platform Electric" mit einer angestrebten Reichweite von über 400 km. Wer 2026 auf einen elektrischen Boxster hofft, muss sich gedulden: Porsche hat den Marktstart wegen Software-Verzögerungen und Zell-Verfügbarkeit offiziell auf Frühjahr 2027 zementiert. Ein Erscheinen noch in diesem Jahr ist definitiv ausgeschlossen. Die Preispositionierung dürfte sich zwischen 75.000 und 120.000 Euro einpendeln.
Tesla Roadster – Das ewige Versprechen
Der Tesla Roadster der zweiten Generation wurde mehrfach verschoben und gilt unter Branchenbeobachtern als das am häufigsten verzögerte Auto der Elektrogeschichte. Tesla verspricht eine Reichweite von bis zu 1.000 km – ein Marktstart 2026 wird vereinzelt noch als möglich gehandelt, ist aber höchst unsicher.
Was man beim Kauf eines Cabrio Elektroautos beachten sollte
Reichweite realistisch einschätzen
Cabrios werden oft saisonal und für Ausflüge genutzt, das macht Reichweite zum Thema. Der Fiat 500e Cabrio reicht problemlos für Stadtfahrten und Kurzstrecken. Wer mit offenem Dach auf Landstraßen und Autobahnen unterwegs ist, verbraucht deutlich mehr Energie als im WLTP-Zyklus angegeben. Als Faustregel gilt: Bei 130 km/h Autobahnfahrt mit offenem Fenster (oder Verdeck) sinkt die Reichweite gegenüber dem WLTP-Wert um 30 bis 40 Prozent. Mehr Tipps zur Reichweite gibt es im Artikel E-Auto Reichweite: Tipps für mehr Kilometer.
Ladeplanung für Cabriofahrten
Wer spontan und saisonal fährt, sollte die Ladeinfrastruktur entlang der bevorzugten Strecken vorab prüfen. An Fernstraßen sind 2026 laut Bundesnetzagentur bereits über 12.000 Hochleistungs-Schnellladesäulen (HPC, über 150 kW) verfügbar – Tendenz stark steigend. Für Cabrio-Ausflüge auf Nebenstraßen, in Kurregionen oder ans Meer kann die Abdeckung dünner sein.
Tipp: Wer mit offenem Verdeck parkt, sollte auf Ladestationen mit Überdachung oder zumindest auf eine wetterbeständige Cockpit-Abdeckung achten. Viele Destination-Charger bei Hotels und Freizeitanlagen stehen im Freien.
Wartungskosten und Heizkomfort im offenen Fahrbetrieb
E-Cabrios haben gegenüber Verbrennern einen klaren Vorteil: deutlich weniger Verschleißteile. Kein Motoröl, keine Zündkerzen, keine Kupplung. Dafür braucht der Dachmechanismus regelmäßige Pflege – insbesondere das Verdeck sollte vor und nach der Saison gereinigt und imprägniert werden.
Ein Wort zu einem verbreiteten Missverständnis: Eine echte Nackenheizung (auch „Airscarf" genannt – warmer Luftstrom aus der Kopfstütze, bekannt von Mercedes oder Audi Roadster-Modellen) bieten nicht alle vier Modelle. Der Maserati GranCabrio Folgore punktet im Luxussegment tatsächlich mit einer integrierten Nackenheizung als Teil des Komfortpakets. Die drei günstigeren Modelle – Fiat 500e, Abarth 500e und MG Cyberster – bieten dieses Feature dagegen nicht serienmäßig. Alle vier verfügen jedoch über eine Sitzheizung, der MG Cyberster zusätzlich optional über eine Lenkradheizung. Wer die Cabrio-Saison über die Hochsommermonate hinaus ausdehnen möchte, sollte das beim Kauf im Blick behalten.
Cabrio Elektroauto + THG-Prämie: Doppelt sparen
Alle drei aktuell verfügbaren Cabrio Elektroautos sind reine Batterie-Elektrofahrzeuge (BEV) – und damit vollständig förderfähig für die THG-Prämie. Wer ein E-Cabrio kauft oder bereits fährt, kann die eingesparten CO₂-Emissionen einmal jährlich vom Umweltbundesamt zertifizieren und als Treibhausgasminderungsquote verkaufen lassen.
2026 sind Prämien von 250 bis 450 Euro realistisch – je nach gewähltem Prämienmodell. Die Beantragung dauert wenige Minuten: Fahrzeugschein hochladen, fertig. Und das Beste: Für Privatpersonen ist die THG-Prämie vollständig steuerfrei.
Zusammenfassend: Cabrio-Elektroautos 2026 – klein, aber fein
Der Markt für Cabrio Elektroautos ist 2026 überschaubar, aber lebendiger als in den Jahren zuvor. Vier Modelle sind heute kaufbar: der charmante Stadtflitzer (Fiat 500e Cabrio), das sportliche Pendant (Abarth 500e Cabrio), der einzige echte Elektro-Roadster in breiter Serienfertigung (MG Cyberster) und für alle ohne Budgetgrenzen der Maserati GranCabrio Folgore. Ab Ende Mai 2026 kommt noch die limitierte MINI Cooper Cabrio Paul Smith Edition hinzu.
Wer warten kann, wird belohnt: Mit dem Polestar 6 (Ende 2026 geplant, Verzögerungen möglich) und dem Porsche 718 Boxster Electric (offiziell Frühjahr 2027) nimmt das Segment weiter Fahrt auf. Das E-Cabrio bleibt vorerst ein Nischenprodukt – aber eine Nische, die wächst.
Tipp: Wer eines der aktuellen Modelle kauft, sollte die neue E-Auto-Kaufprämie 2026 prüfen und den eigenen Steuerbescheid zur Hand nehmen – und zudem direkt nach dem Kauf die THG-Prämie beantragen.
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Besuchte Quellen
- Quelle – Besucht am (15.03.2026 - 09:49Uhr):
https://ev-database.org/de/#group=vehicle-group&rs-pr=10000_100000&rs-er=0_1000&rs-ld=0_1000&rs-ac=2_23&rs-dcfc=0_400&rs-ub=10_200&rs-tw=0_3000&rs-ef=100_350&rs-sa=-1_5&rs-w=1000_3500&rs-c=0_5000&rs-y=2010_2030&s=1&p=0-10 - Quelle – Besucht am (15.03.2026 - 10:17 Uhr):
https://www.electrive.net/2025/03/13/porsche-verschiebt-elektrischen-718-nachfolger-auf-2027/ - Quelle – Besucht am (15.03.2026 - 10:21 Uhr):
https://www.autohaus.de/nachrichten/autohersteller/polestar-bestaetigt-serienproduktion-elektro-roadster-kommt-2026-3216515

